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Sitten und Gebräuche Usbekistans

Es versteht sich von selbst, dass man als Tourist in Usbekistan auf die Sitten und Traditionen der einheimischen Bevölkerung Rücksicht nimmt. Zu den üblichen Höflichkeitsformen und Bräuchen zählen folgende:
• Obwohl das Händeschütteln zur Begrüßung im Allgemeinen sowohl von Männern als auch von Frauen akzeptiert wird, kann es vor allem bei muslimischen Frauen vorkommen, dass sie es lediglich durch Kopfnicken und Lächeln bestätigen, wenn sie fremden Männern vorgestellt werden. Das Händeschütteln sollte immer von der Dame ausgehen. Der traditionelle Gruß (salam) ähnelt einem Handschlag mit beiden Händen, aber ohne die Hände zu umfassen.
• Es gilt als höflich, zuerst anzurufen, ehe man einen Besuch abstattet.
• Die Schuhe müssen immer ausgezogen werden, bevor man ein usbekisches Haus betritt.
• Gästen bietet man im Allgemeinen einen Drink an. Die Höflichkeit verlangt, diesen zu akzeptieren.
• Beim Essen wird ausschließlich die rechte Hand benützt; dies gilt ebenso, wenn man etwas gibt oder annimmt.
• Man sollte niemals mit dem rechten Zeigefinger auf Plätze, Dinge oder Menschen zeigen. Dafür benützt man den rechten Daumen, wobei die restlichen vier Finger zur Faust geballt werden.
• Beim Eintritt in Moscheen, Tempel oder andere Orte religiöser Verehrung müssen die Schuhe ausgezogen werden. In manchen Moscheen liegen für Besucherinnen lange Gewänder und Kopftücher bereit. Gewöhnlich darf man an solchen Orten fotografieren, trotzdem sollte man vorher immer eine Erlaubnis dafür einholen.

Hochzeit in Usbekistan

Die Feste – in Usbekistan inszeniert wie Theaterstücke Spiele (Ugin), Veranstaltungen (Tomascha) und Feste (Bairam) begleiten den Usbeken von der Geburt bis zum Tod. Dabei werden viele Sitten und Bräuche, die das Leben der usbekischen Bevölkerung prägen, wie Theaterstücke inszeniert.Von den Familienfesten und Bräuchen des Alltags sind das „Beschik Tuj“, bei dem der Säugling zum ersten Mal in die Wiege gelegt wird, das Fest „Sunnat Tuj“ oder „Chatna“ (die Beschneidung), das Fest „Mutschal Tuj“ oder „Rasta“ (die Volljährigkeit) und schließlich noch „Nikoch Tuj“ oder „Uilanisch“ (die Hochzeit) von besonders großer Bedeutung.

Nikoch Tuj – die Hochzeit

Nach wie vor ist die Hochzeit das beliebteste Fest der Bevölkerung. Sie stellt einen komplizierten Satz von Sitten, Bräuchen, Riten, Handlungen und Aufführungen dar und gliedert sich in drei Teile: Vorhochzeit, Hochzeit, Nachhochzeit. Die Vorhochzeit umfasst das Brautwerben, den Heiratsvertrag und die Verlobung. Die Hochzeit besteht aus dem Zusammensein der Braut mit ihren Freundinnen, der Ankunft des Bräutigams im Haus der Braut, der Eheschließung und dem Hochzeitsfest. Die Nachhochzeit sieht die Begutachtung der Mitgift, die Rückkehr der Braut in das Elternhaus, die Einladung des Bräutigams, die Bekanntschaft mit den neuen Eltern und deren Ehrung vor.

Der Ablauf der Hochzeit

Die traditionelle usbekische Hochzeit ist wie ein Theaterstück mit vielen handelnden Personen, für die bestimmte Verhaltensmuster festgelegt sind. In der Vergangenheit gab es professionelle Brautwerberinnen, die das Werben um die Braut (Sowtschilik) und die Kunst des Vertrages (Maslachat Oschi) meisterhaft beherrschten. Heute wird die Braut von der Mutter oder einer anderen weiblichen Vertrauensperson des Bräutigams geworben. Nach der Werbung wird ein Treffen – die Braut- und Bräutigamschau – organisiert. Mit Zustimmung der künftigen Eheleute wird dann offiziell die Brautwerberin geschickt und der Vertrag geschlossen. Mit der Sitte „Ok Urar“, bei der ein weißer Stoff als Symbol für Eintracht und Glück geschenkt wird, und „Non Sindirisch“, dem Brechen eines Brotfladens, wird die Abmachung besiegelt. Nach einiger Zeit wird die „Foticha“ (Verlobung) gefeiert und der Hochzeitstermin vereinbart.
Die usbekische Hochzeit „Nikoch Tuj“ ist regional sehr unterschiedlich geprägt. Die Hochzeit selbst ist reich an theatralischen Handlungen, Musik, Tänzen und Spielen. Die Zeremonien finden sowohl im Haus der Braut als auch im Haus des Bräutigams statt. In einigen Regionen liegt der Schwerpunkt auf dem Haus der Braut, in anderen auf dem Haus des Bräutigams. In beiden Varianten stellt jedoch die moslemische Eheschließung (Nikoch) – der einzige rein moslemische Ritus der Hochzeitsbräuche – den Höhepunkt des gesamten Hochzeitszeremoniells dar. Im Haus der Braut werden folgende Riten durchgeführt: Die Braut besucht das Bad, ihre Hände und Füße werden mit Henna gefärbt, das Haar zu Zöpfen geflochten. Es folgt die Anprobe des Hochzeitskleides. Traditionell lädt die Braut einen Tag vor der Hochzeit ihre Freundinnen zum Beisammensein ein. Heute jedoch wird dieses Beisammensein häufig am Hochzeitstag selbst veranstaltet, auch der Bräutigam und seine Freunde nehmen daran teil. Während dieser Festlichkeit wird viel gesungen und getanzt. Besonders prächtig und üppig fällt das Hochzeitsessen „Basm“ aus. Einige Stunden vor dem Festmahl beginnen im Haus des Bräutigams Karnai und Surnai (usbekische Musikinstrumente) zu spielen, die die Nachbarn und Freunde zum Festmahl einladen. In den Dörfern wird die Hochzeit vom „Schartschi“ (dem Einlader) bekannt gemacht oder sogar im örtlichen Rundfunk bekannt gegeben. Der Bräutigam und seine Freunde (Schura) holen die Braut ab. Vor und im Haus der Braut geht es währenddessen vergnüglich zu. Der Zug des Bräutigams und seiner Freunde wird mit den Liedern „Al Muborak“ und „Jer-jer“ begleitet. Die Braut verabschiedet sich dann von ihren Eltern und dem Elternhaus und fährt mit ihrer Gefolgschaft ins Haus des Bräutigams.
In den ländlichen Gebieten kann man den Brautzug auch heute noch sehen, doch fährt die Braut nicht mehr auf dem Pferdewagen, sondern im Auto. Die Ankunft der Braut und ihres Brautgeldes im Haus des Bräutigams leitet einen nächsten Höhepunkt der Hochzeit ein. Der Empfang des Hochzeitszuges, das Führen der Braut um das offene Feuer, die Begrüßung der Verwandtschaft des Bräutigams, der Empfang der Braut an der Schwelle ds Hauses „Salomnoma“, die Bewirtung der Braut mit Milch oder süßem Tee folgen. Dieser Ablauf gehört auch heute noch in verschiedenen Varianten unbedingt zu einer Hochzeit. Dann wird die Braut hinter den Vorhand „Tschimillik“ gesetzt. Der Bräutigam wird hereingeführt und zieht die Kleidung an, die ihm die Braut geschickt hat. Beim Treffen von Bräutigam und Braut versuchen beide, dem anderen als erster auf den Fuß zu treten. Dann wird das Ehebett gerichtet. Es folgen nun die Darstellungen lustiger Szenen, wie „Tusch Kurdi“ (Der Traum), „Tschakalok tugildi“ (Das Kind ist geboren“) und „Kampir uldi“ (Die Alte ist gestorben“). Das Spiegelsehen und dutzende andere Bräuche bilden einen vorgegebenen einheitlichen Handlungsstrang. Die Helden dieser Inszenierung sind der Bräutigam und die Braut. Die Bräuche haben alle einen magischen Charakter: Sie sollen vor dem bösen Blick schützen und so den Wohlstand der neuen Familie sichern. Während dieser Rituale vergnügen sich die Mädchen und Frauen in einem eigenen Raum oder hinter einem Vorhang. Die Männer und Kinder sind im Hof. Das abschließende Festmahl (Basm) wurde früher um ein offenes Feuer herum eingenommen, wobei die Reihenfolge der Speisen vorgegeben war. Durch Tänze, Lieder, Wettkämpfe (Tauziehen) wurde das Gelage unterbrochen. Mit Tänzen, an denen alle teilnahmen, klang das Basm aus.
Die Bräuche der Usbeken nach der Eheschließung kennzeichnen sich ebenfalls durch vielfältige Riten. Besonders interessant ist die Betrachtung des Gesichts der Braut „jus kurdi“. Der Schleier wird in der Regel von einem Knaben vom Gesicht der Braut gehoben, wonach sie von der Mutter des Bräutigams und anderen Verwandten begrüßt wird. Die Frauen küssen die Braut und übergeben ihr Geschenke. Die Braut verneigt sich hierbei, während ihre Patin (Janga) und andere „Kelin Salom“ singen. Auch die Männer der Familie des Bräutigams kommen mit Geschenken. Dann wird die Mitgift der Braut zur Schau gestellt. Dieser Brauch heißt „Sep Jojar“.
Die Vertreter der Braut zeigen den Verwandten des Bräutigams die Aussteuer, beschreiben jede Sache und geben jedem Verwandten Geschenke. Nach drei Tagen fährt die Braut mit ihren neuen Verwandten ins Haus ihrer Eltern. Musik und Tänze begleiten diese Einladung (Tschalaar).
Die usbekische Hochzeit ist eine Komposition von Bräuchen, die einerseits mit den archaischen Formen der Familien- und Ehebeziehungen und andererseits mit dem altertümlichen Ackerbau zusammenhängen. Aus letzterem sind und Bräuche, wie das Feuer zur Läuterung, die Beräucherung mit besonderen Kräutern, der weiße Stoff, der der Frau zu Füßen gelegt wird, das Spiegelsehen, die Bewirtung mit Eiern und Granatäpfeln sowie der Fackelzug zu erklären.
In Usbekistan wird die Wiederbelebung und Beibehaltung der alten Zeremonien politisch unterstützt, da sie einen wichtigen Baustein zur Festigung der nationalen Identität darstellen.

Navruz – ein Fest des Frühlungs, des Guten und der Gerechtigkeit

Die Unabhängigkeit Usbekistans ließ die reiche Kultur und die einzigartigen Sitten und Bräuche eines uralten zentalasiatischen Landes wiederbeleben und erstarken – eines Landes, das im 10-12. Jh. ein Zentrum der Zivilisation, Kultur und Wissenschaft war.
Während die historischen märchenhaften Baudenkmäler Usbekistans die internationalen Touristen immer mehr faszinieren, zeichnen sich seine nationalen Feste und Traditionen durch ihren reichen Inhalt unter den Weltkulturen aus. Eines von solchen Festen, das mit dem Erwachen der Natur und dem Aufblühen der Schneeglöckchen beginnt, heißt Navrus. Navrus und seine jahrtausendalte Geschichte. Navrus nimmt seinen Anfang im tiefen Altertum. Die ersten schriftlichen Beschreibungen über dieses Fest kommen im heiligen Buch des Zoroastrismus, der Awesta, in vorislamischer Zeit vor. Die Urbevölkerung Zentralasiens hatte das Neujahr am Tag der Frühlings-Tagundnachtgleiche – am 21.März – unter dem Namen Navrus (pers. nav-neu,rus- Tag –ein neuer Tag) gefeiert.Da Usbekistan von alters her ein landwirtschaftlich geprägtes Land ist, war Navrus von großer Bedeutung für die Vorfahren des usbekischen Volkes, die ihr Leben in der Landwirtschaft sahen. Für sie bedeutete der Anbruch des Frühlings den Beginn des ewigen Zyklus: Pflügen, Säen, Ernten.
Mit der Zeit verband man dieses Fest unter dem Einfluss der Predigten des Scheichs im Bewusstsein des Volkes mit der Entstehung des Islam und den Geschichten über das Leben des Prophets Muhammad. Dieser verließ - vor seinen Verfolgern flüchtend - im Monat Muharram Mekka und machte sich auf seinen rettenden Weg nach Medina. Daher musste Navrus damals als Zeichen der Danksagung für seine Rettung besonders prächtig begangen werden.
Der berühmte zentalasiatische Wissenschaftler Abu Rajhan Beruni fixiert in seinem Werk im 10.Jh. dieses Fest folgenderweise: «Dieser Monat heißt Muharram. Sein erster Tag wird als Anfang des Jahres sehr feierlich gefeiert... Sobald der Navrus kommt, wacht die Erde vom Winterschlaf auf. Es weht der Frühlingswind. Die Küste der Bäche wird mit grünen Gräsern bekleidet, auf den Bäumen treiben Knospen, die lila Blümchen, die moschusartig Wohlgeruch hauchen, schmücken die Zweige der Bäume». Omar Hayam erwähnt in seinem Werk «Navrusnoma» die Zeichen dieses Festes: «...das Haus wird aufgeräumt, mit Grün und Blumen beschmückt, die Eltern, Verwandte, Bekannte werden besucht – dies alles ist zu einem Brauchtum bei den einfachen Leuten geworden».So war Navrus immer der poetischste aller Feiertage und hat viele Dichter inspiriert. Der große Dichter des usbekischen Volkes Alischer Navoi sprach einmal den folgenden Wunsch aus: Möge jeder deiner Abende wohl, jede deiner Nächte glücklich und jeder deiner Tage Navrus sein! «Ja, es sei die Helligkeit!». Helligkeit – Feier des Guten und der Gerechtigkeit, Sieg der Wärme über die Kälte, des Lebens über den Tod – ist eine Uridee des Navrus.
Während der Herrschaft des sowjetischen Systems galt Navrus zwangsläufig als ein normaler Arbeitstag, da er als Feiertag für ideologisch schädlich gehalten wurde. Jedoch konnte dieser Feiertag aus dem Leben unseres Volkes nicht ausradiert werden. Navrus ist für das Volk Usbekistans eine einmalige, einzigartige Welt, die im Laufe der Jahrhunderte in das Bewusstsein und Denken, das geistige Leben und die Lebensweise des Volkes eingeflossen ist.
Nawrus ist ein Feiertag der Bruderschaft und der nationalen Einigung, der von jedem Bürger Usbekistans ungeachtet seiner ethnischen Zugehörigkeit, seines Glaubens und seiner Überzeugungen gefeiert wird.
Bräuche des Navruz. Seit Alters her wird dieses Frühlingsfest im Orient weit verbreitet gefeiert, und zwar in jedem Land unterschiedlich. In Usbekistan ist Navrus besonders durch Volkstraditionen und Sitten geprägt. Die reichen Traditionen dieses Festes bildeten sich im Laufe der Jahrtausende heraus. Obwohl in der Vergangenheit Elemente der Traditionen des Navrus mal verändert wurden, mal in Vergessenheit gerieten, sind viele von ihnen bis heute überliefert worden. Überliefert ist der Brauch, vor dem Fest alte Schulden zu begleichen, damit man nicht mit Schulden das neue Jahr beginnen möge.
In diesen Tagen werden alle Ärgerlichkeiten vergessen. Am Feiertage werden die Streitigkeiten eingestellt, keine Vorwürfe sind zu hören. In früheren Zeiten wurden sogar Kriege und Fehden eingestellt. Junge Frauen und Bräute nähen an Nawruz Trachten und Taschentücher, die mit speziellen Ornamenten verziert sind. Auch die Häuser und Höfe, die Straßen vor den Häusern werden in Ordnung gebracht, überall herrscht Sauberkeit und Ordnung. Es ist auch von früheren Zeiten her zu einer guten Tradition geworden, den Festtisch mit üppigen Spezialitäten zu bedecken sowie den Bekannten und Verwandten Geschenke zu überreichen.
Köstliche Spezialitäten an Navrus. «Die Sieben Schins» sind wichtige Gaben auf dem Festtisch am Tage des Navrus: Wein (Scharob), Milch (Schir), Süßigkeiten (Schirin), Saft (Scharbat), Leuchter (Scham) und Bergkamm (Schona). Der Wein symbolisiert die Wiederbelebung, Milch die Sauberkeit, Süßigkeiten die Lebensfreude, der Zucker die Zufriedenheit, Saft die Kälte und die Erholung. Man stellte die Leuchter auf den Tisch als Sinnbild der Helligkeit, der Sonne und des Feuers, der Bergkamm symbolisierte die Schönheit der Frauen.
Es gibt im Volksmund noch viele andere Sagen über die Entstehung der Bräuche des Navrus. Wie man in einer von ihnen erzählt, drangen in uralter Zeit fremden Invasoren in ein fremdes Land ein. Die Einwohner hatten mehrere Tage und Nächte ihre Stadt verteidigt. Aber schließlich waren die Vorräte der Lebensmittel und Wasser zu Ende und es begann eine Hungersnot in der ganzen Stadt. Eine alte Frau sah einmal auf der Erde eine Kette von Ameisen, die Weizen trugen und zu sich holten. Die Alte sammelte die Weizenkörner auf und kochte aus ihnen ein leckeres und heilsames Essen- «Sumalak». Wer es kostete, wurde stark und gesund.
Bis heute ist es üblich, vor und nach dem Fest Navrus verschiedene Spezialitäten aus grünen Kräutern zuzubereiten. Besonders das Feiern des Navrus ohne «Sumalak» ist unvorstellbar. Neben seiner traditionellen Bedeutung ist dieses Gericht sehr nützlich für die Gesundheit des Menschen, der dürstend nach Vitaminen vom Winter her in den Frühling kommt. Gekocht und gedünstet wird «Sumalak» nur im Frühling aus kurzgewachsenenem Weizen, Mehl, Wasser und Öl ohne Zuckerzusatz in einem riesigen Kasan (Schüssel) – und zwar 24 Stunden lang. Lieder, Scherze und Gelächter unterhalten die Köche die ganze Nacht und lassen nicht zu, dass sie einschlafen. Sobald «Sumalak» am Vormittag fertig ist, wird er an mindestens 15-20 Leute verschenkt. Mann kann diese Köstlichkeiten nicht nur probieren, sondern auch gleich für Freunde und Angehörige zum Kosten mitnehmen.Es gibt einen Spruch, der besagt, dass Sumalak von Frauen mit gewandten Händen und starker Geduld zubereitet werden soll. Dann werde er besonders schmackhaft und kräftig.
Fest der Liebe. Navrus war früher auch ein Fest der Jugendlichen, genauer gesagt, ein Spiel der Verliebten, bei dem die Jungs den Mädchen Äpfel und Granatäpfel, bemalte Eier und Süßigkeiten zuwarfen oder sie ihnen Kischmisch (Rosinen) und Holva (Bonbons) durch kleine Kindern zuschickten. «Jeder soll Gutes tun, jeden Tag muss Gutes geschafft werden», so lautet das Motto des Navrus; denn es ist ein Fest der moralischen Reinigung. Die Idee des Navrus ruft dazu auf, keine Beleidigung, keinen Schmerz, die in unserem Alltag vorkommen, im Herz zu behalten, sondern mit Hoffnung auf hellere Tage und mit Glauben an die Zukunft zu leben. Für die usbekischen Alten war Nawrus immer ein hoher Feiertag der Barmherzigkeit und Wohltätigkeit. Deshalb ist es eine gute Tradition, in der Navruszeit alte Leute, Behinderte, Kranke und Waisen zu besuchen und ihnen uneigennützige Hilfe und moralische Unterstützung zu erweisen. In diesen Tagen werden Gastfreundschaft, Barmherzigkeit und Mildtätigkeit des usbekischen Volkes gegenüber allen Mitbürgern gezeigt, unabhängig von ihrer Nationalität und ihrem Glaubensbekenntnis, insbesondere gegenüber kinderreichen Familien und Alten, Waisen und Behinderten, Alleinstehenden und Pflegebedürftigen. Feiern mit Pracht. Zur guten Tradition dieses Feiertages gehört es auch, am Vorabend des Navrus Höfe, Straßen und Mahallas (Dorfgemeinschaften) zu säubern und Städte und Dörfer zu begrünen. Navrus ist keine Ein-Tages-Feier: Er findet in den Städten und Dörfern in ganz Usbekistan im Laufe des gesamten Frühlings statt.
Am 21. März gehen Glückwünsche von Staatoberhäuptern ein, und es werden Grußbotschaften mit Wünschen des Friedens, Wohlergehens und Wohlstandes an andere Völker verschickt. In ganz Usbekistan erklingt feierliche Musik. Auf großen und kleinen Konzertbühnen finden Veranstaltungen von Sängern, Künstlern, Theaterkünstlern und Laien staat. Es werden Ringkämpfe ausgetragen. Die Seilakrobaten zeigen ihre Geschicklichkeit und Furchtlosigkeit. Im Feiertagstrubel der Navruszeit demonstrieren Volkskünstler ihre wunderschönen handgemachten Erzeugnisse.